16-Das Ende….



Um etwas mehr als 2 Tage Zeit bei „meiner“ Familie in Nouill verbringen zu können, habe ich entschieden, anstatt mit Fahrrad und Zug mit dem Bus zurück nach Tunis zu fahren. 


Wajdi, der junge Mann mit dem LKW aus Kebili ruft mich nach ein paar Tagen an. Wir haben eine schlechte Telefonverbindung. Er möchte auch nach Tunis und schlägt vor, vorbei zukommen, um zu klären, ob wir zusammen reisen können. 


Oh, ups….ich bin in der Familie, kann ich da Besuch empfangen oder strapaziere ich die Gastfreundschaft über? 


Ich frage eine der Schwestern….kein Problem…sagt sie.

Als er dann kommt, sehe ich die Mama entsetzt gucken….oh nein, was denkt sie wohl? 


Ich gehe mit ihm raus…, weil ich es schlecht aushalte….wir fahren nach Douz, da Nouill zu klein für Frauen in Cafés ist 😅


Ich plage mich mit meinem schlechten Gewissen. Und dann bekomme ich eine Nachricht von meinem Wüstenführer in dessen Familie ich bin. 

Er ist zur Zeit in Frankreich.


Er mag es nicht, wenn fremde Leute in seine Familie kommen, nicht alle Leute seien gut und viele Männer wollen Papiere, um nach Deutschland zu kommen. 


Oje, zu spät. 


Ich fahre nach einer Stunde wieder zurück und rede offen mit der Schwester, wie ich in Deutschland lebe. Ich habe viele Freundschaften auch mit Männern aus anderen Kulturen und in jedem Alter. 


Sie haben sich Sorgen gemacht. Ja, ich fühle es, genauso wie mit der Radreise und dann hatte ich tagelang keine Internetverbindung und keiner wusste wo ich bin. Das hält meine Familie in Deutschland schon schlecht aus und auch so manch ein Fb LeserIn 😉


Ich liebe mein Leben in dieser Unsicherheit….fühle ich mich lebendig und geführt. 

Nur so kann das Häusliche hier aushalten und sogar genießen. Ich habe sonst immer den Drang nach Draußen. 


Ich will natürlich nicht, das sie sich sorgen. 

Meiner Mutter sag ich immer, sie soll doch stattdessen lieber für mich beten. Das macht sie dann meistens auch 😁




Und so fahre ich am Tag der Abreise bei Sonnenaufgang allein mit dem Rad nach Kebili zurück, um da mit dem Bus nach Tunis zufahren. 


Ich bin mit Wajdi zu 9 Uhr im Post Café in Kebili verabredet. Um 10 Uhr soll ein Bus nach Tunis gehen. Mein Flieger geht übermorgen und morgen mache ich einen PCR Test in Tunis.


Als ich aus Nouill am Morgen raus fahre, singe ich ….ich höre die Hunde am Dorfrand bellen, sie kommen nicht näher….ich fühl mich im Licht und beschützt. 


Halb neun bin ich schon in Kebili. Ich sehe kein Post Café in der Einfahrtsstrasse. Als die Straße endet, frage ich einen Mann am Straßenrand. Er begleitet mich ein Stück zurück und zeigt mir das Café. 

Auch ein anderer Mann bestätigt, das sei das Post Café. Es wird gerade geöffnet. Ein junger Mann will mich direkt auf einen Kaffee einladen. Er holt mir einen Stuhl ran. Ich wühle noch in meinen Fahrradtaschen, um eine Maske für die Busfahrt zu finden.


Er heißt Nassim und ist auf Zack mit Google Translater. Er lädt mich zum Essen zu sich nachhause ein. Das ich gleich mit dem Bus nach Tunis fahren will und verabredet bin, hält ihn nicht ab…..Seine Schwester spricht deutsch und die wird dann auch gleich angerufen….ich werde ein bisschen ungeduldig….auch wenn ich ihn mag 😂


Die Zeit verstreicht und Wajdi kommt nicht. Es ist schon viertel nach neun und ich bekomme Druck. (Ich mache mir Druck) Nassim gibt mir einen Hotspot fürs Internet und ruft sogar Wajdi an, der kein Smartphone hat. Er ist auf dem Weg 😅


Also nur afrikanische Pünktlichkeit ? 😂


Ich werde von Minute zu Minute unruhiger…da ist es schon kurz vor 10, der Bus geht gleich. 


Hat er es sich doch anders überlegt? 

 

Ich kann nicht mehr sitzen, bezahle meinen Kaffee und renne vor dem Café auf und ab. Nassim fängt an zu arbeiten. Sie beladen mit mehreren Männern ein Pick-Up, der neben dem Café steht.


Ich versuche innerlich den Bus und meine Zuspätkommangst loszulassen. Ich habe noch genug Zeit zum Flieger zu kommen, selbst wenn ich morgen erst fahre, sagt mein Verstand. Mein Körper zittert.


Nassim meint das nur abends Busse nach Tunis fahren. Vielleicht aber auch nur, weil ich dann noch mit zu ihm kommen kann. 😂

Er sieht wie unruhig ich bin. 




Wajdi wird bestimmt noch kommen….das kann eigentlich nicht sein, mein Instinkt müsste dermaßen daneben liegen mit ihm. 


Und dann kommt er im LKW. Er hat mich gesucht. Ich bin nicht im Post Café 😅🤪


Wir packen das Rad auf die Ladefläche und düsen zu ihm nachhause, dort wechseln wir in das private Auto. Er bringt den LKW weg und ich fahre mit dem Bruder ihn abholen und zum Bus….


Dann sitzt der Bruder hinten im Auto beim Rad und singt und ich bin ganz glücklich 🥲🥰

Ich hätte wahrscheinlich auch direkt zur Bushaltestelle fahren, aber so ist es natürlich zauberhaft mit den Beiden. 





Der Bus fährt ab 11 Uhr….das sind hier nur so ungefähre Zeiten…


Wir machen die Reifen für die Busfahrt ab, damit das Rad in die Gepäckablade passt.  In Gabès müssen wir den Bus wechseln, ob wir das Rad weiter mitnehmen können, ist ungewiss 😂





In Gabès finden wir am Bahnhof zwar kein Klo, aber das Rad geht in den nächsten Bus. Der ist dann auch bis auf den letzen Platz voll. Ich sitze auf der letzen Bank neben lauter Frauen und er findetnoch einen Platz neben einem Mann. 
Hinten ist es durch den Motor warm und stickig. Ich kann aber ein kleines Fenster aufschieben und das Tuch und den Mundschutz ummachen 😂

Das Klo gibt es dann auf einem Rastplatz mit tunesischem Fastfood Restaurant. 
Ab da esse und trinke ich nichts mehr. Wer weiß, ob wir nochmal halten. 
Ich bin schonmal durch Marokkos Berge mit dem Bus gefahren und er hat stundenlang nicht angehalten, mir ist das Pipi fast zu den Ohren raus gekommen 🤪

Wajdi ißt in dem Restaurant, es ist ja auch schon Nachmittag. Ich werde unruhig….steht der Bus noch da? ….ah meine Zuspätkommangst 😂🙃 

Ich gehe dann schon mal raus und stell mich neben den Bus. Wajdi hat keine Spur dieser Angst, selbst als der Bus schon mehrmals gehupt hat, fast alle drinnen sitzen… holt er noch Zigaretten undkommt😂

Wenn ich mich in der Öffentlichkeit mit ihm bewege, scheint es mir manchmal das ich unsichtbar werde. Ich kenne das schon und versuche es zum einen anzunehmen und trotzdem lebendig zu bleiben und imKontakt. 

Nun sind die Menschen in großen Städten, genau wie in Europa auch, nicht mehr so verbunden miteinander wie auf dem Land. Hier kommt dazu, das Männer im öffentlichen Raum das meisteregeln. 

Wir fahren in Tunis viel Taxi. 
Am Abend sogar auch zum Essen in ein Restaurant. Wajdi hat genaue Vorstellungen. Ich bin irritiert über die Preise. Tatsächlich gehe ich selten „besser, teuer“ essen. Aber warum nicht. Ich habebisjetzt kaum Geld ausgegeben…

Und es ist wirklich nett mit live Musik, die Menschen an den Tischen singen mit, im hinteren Raum wird getanzt….und auch getrunken…. so wie ich es aus meinem Land auch kenne, Menschen kommendurchAlkohol runter und öffnen sich. Ich persönlich mag das nicht so. 

Und so lerne ich, wie das mit Taxis geregelt wird, bekomme ein Gefühl für die Preise. 
Und wir sind freier….

Freiheit heißt für mich sonst mit dem Fahrrad überall hinfahren zu können. Er hat hier keins und die Stadt ist riesig. 

Nach dem PCR Test fahren wir nach Sidi Bou Saïd. Das ist genau der Berg, den ich noch nicht auf meinem Excursionen vom Quarantänehotel erkundet habe. 
Hier sind auch viele tunesische Touristen. Ein Ort, den ich sonst eher meide. 😂

Tatsächlich genieße ich es mit ihm….die Verkäufer sind hier….wie in Marokko auf Zack, ich bin es mittlerweile in meiner Bestimmtheit und Abgrenzung auch 🙃


Das ganze Viertel ist schön…in blau gehalten….
Wir streifen durch die Gassen. 





Am Ende schauen wir von oben auf einen kleinen Hafen und das Meer. Viele tunesische Touristen stehen und sitzen hier auf einer kleinen Mauer und machen Bilder und Selfis. 

Mir reicht das natürlich nicht und ich möchte zum Meer. „Hier gibt es aber keinen Weg“, wendet Wajdi ein.  „Das macht nichts, meine ich“ 😂😁☺️ 
Und wir finden einen nach unten….ob wir das wohl dürfen, überlegt er….
Er macht so etwas das erste mal….manchmal ist es sehr rutschig und wir seilen uns an Büschen ab 🙃☺️
Herrlich, keiner hier, unten queren wir eine kleine Straße und klettern noch ein Stück weiter und sind voila am Meer. 



Wir laufen über die Steine um den kleinen Berg herum, den ich aus der Ferne immer gesehen habe. Manchmal sehen wir Paare an kleinen Buchten. Als wir allein sind….nutze ich die Gelegenheit und gehe endlich schwimmen. 

Ihm ist es viel zu kalt. Es ist ja schließlich bewölkt 🙃 
Er meint, er würde sich sofort erkälten. 
Wahrscheinlich würde er es auch, da er das glaubt und die Erfahrung gemacht hat. 
Ich lasse einfach mal meine Unterwäsche an, falls doch jemand kommt.

Ich muss etwas reinlaufen, bis die Steine und Algen aufhören. Das Wasser ist herrlich und überhaupt nicht kalt. ☺️




Das letzte Abenteuer ist der Transport des Fahrrad‘s mit dem Flieger. Ich gehe erst allein in den Flughafen und versuch es zu regeln, er wartet draußen. 

Einer von den Leuten, der da behilflich ist, die Menschen in die richtige Warteschlange zu schicken, bietet mir an, meinen Freund reinzuholen 😉 für 20 Dinar, etwas überteuert, aber wer weiß wie lang der Spaß hier dauert. Die Beamten an der Tür bekommen von ihm Geld. 

Es ist das erste mal das ich Schmiergeld bezahle 😅 geht doch. 

Es ist kompliziert mit dem Rad und dauert Stunden, hier einen Beleg holen, da das Gepäck abgeben und eine Bestätigung, da bezahlen, da den Beleg hinbringen und dort dasFahrrad….und dann wieder ewig warten, bis es angenommen wird…..geschafft 💪🏼 



Nach dem Flug ist es noch eine bisschen mehr verbeult und der Hinterreifen ist platt…..

Klasse, bis zur Wüste habe ich immer schön gebetet, das die Reifen halten.  Es gab ja überall viele Pflanzen mit Dornen, doch ich hatte nie einen Platten. 
Im Zug kann ich dann noch mal schön den Schlauch wechseln, den habe ich dann wenigstens nicht umsonst mitgenommen ☺️🙃


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