Teil 21 Afrika ich gehe.....

 

 

Meine Heimreise ist das Kontrastprogramm schlechthin zu meiner Anreise über Land im Zug, mit Fähre und Fahrrad. 

Jedoch auch eine Erfahrung wert.

 

Ich radele am Morgen mit Wissem zum Fahrradverleih.

Wir waren schon bei dem Le Lemon Tour - Verleih als wir in Tunis angekommen sind und ich habe mit Ihnen abgemacht mein Fahrrad evtl. für ein Jahr bei Ihnen unterzustellen. Die Jungs dort sind sehr nett und ich entscheide mich für Vertrauen.

 

Nach der Email vom Auswärtigem Amt denke ich, das es keinen Sinn hat, das Rad mit zum Flughafen zu nehmen. 

Wissem wartet bis der Verleih am Morgen aufmacht und gibt die Fahrräder ab.

Danach hat er jemanden arrangiert, der ihn die 200km nachhause fährt. Der Busverkehr ist wegen Corona eingestellt.

 

 

Ich fahre mit dem Taxi zum Flughafen, um dort einen Flieger nach Deutschland zu bekommen. 

Ich habe Kontakt mit einer kleinen deutschen Gruppe, die nach mir mit Faiçal in der Wüste war und noch auf Djerba ist. Dabei ist die Tochter von einer Frau, die letztes Jahr mit mir und Faiçal die Wüstenwanderung gemacht hat. Die Gruppe ist am Vorabend nach Tunis gekommen und wir sind am Flughafen verabredet. 

 

Der Flughafen ist voll mit wartenden Menschen. Ich schlendere umher, um herauszufinden, wo ich warten muss und ob etwas zu tun ist.

Vor den Schaltern von Lufthansa finde ich einige Deutsche und einen Tunesier der anderen auf deutsch erklärt, was er weiß....das irgendwann jemand von der Deutschen Botschaft hierher kommt und das es irgendwo einen Schalter gibt, wo man ein Formular kopieren muss, von jemanden der das Formular schon ausdruckt hat. 

 

Ich schleppe mich mit meinen Fahrradttaschen weiter durchs Flughafengebäude und kann den Schalter nicht finden. Vier Fahrradtaschen sind dann zum Tragen doch etwas unhandlich und schwer.

.....finde dann den kompetenten Tunesier wieder und eine genauere Wegbeschreibung....zum Drucker.

 

Da stehen schon einige die etwas ausdrucken wollen und tatsächlich auch jemand der den Schrieb vom deutschen auswärtigen Amt hat....der wird dann netterweise für sechs weitere Leute ausgedruckt.....viele sind ein bißchen nervös....ich bin ganz ruhig.

 

Durch das viele Kopieren ist der Schrieb recht unleserlich geworden....was soll's .....muss reichen.

 

Und so sitze ich dann ein paar Stunden vor dem Lufthansa Schalter mit vielen anderen und auch mit der Gruppe von Djerba.

Irgendwann gibt irgendwer ein Zeichen und alle rennen hinterher zum Check In.

 

Tja...wo einreihen? Wir stehen in großen Trauben vor dem Check In und das ein paar Stunden lang.....irgendwann es geht es los. Aber wir drängen anscheinend zu sehr. 

 

Über ein Megafon kommen Durchsagen. Wir werden in Kategorien eingeteilt...erst Kranke...Familien mit Kindern....Deutsche mit deutschem Pass....dann die Tunesier....

 

Der Druck steigt. Eine ältere Tunesierin mit deutschen Pass schiebt an uns vorbei. Ich frage sie, ob alles ok ist.

Sie sei so nervös. Ich rate ihr zu lächeln, damit sich ihr Nervensystem entspannen kann und wir summen zusammen. 

 

 

Ihr Mann nickt mir immer wieder zu, um mich zu bestärken....Ich leg ihr meine Hände auf den Rücken und oberen Brustbereich und ich spüre die Rückverbindung mit dem Himmel bei ihr so wie ich es bei mir selbst auch empfinde, als Rührung im Herzen. 

Sie atmet tief durch, sie würde sich ganz anders fühlen....und ist erleichtert.

 

Für mich ist es einfacher entspannt zu bleiben, ich bin nicht in der letzten Kategorie und ich bin entschieden, es zu nehmen wie es kommt. 

 

 

 

 

 

Immer wieder wird dazu aufgerufen einen Meter nach hinten zu treten, damit sie vorne arbeiten können.

Das funktioniert nicht, zuviele Menschen haben Angst, dann nicht mehr mitzukommen. 

Um so näher wir dem Schalter kommen, desto enger wird es. Eine deutsche Frau beschwert sich bei einem Aufpasser an der Absperrung, dass sie als Deutsche nicht erst dran kommt. Sie wird durch gelassen. Eine tunesische Frau sagt uns, wir sollen uns auch beschweren, dann kommen wir durch. 

Nein, wir warten in Ruhe ab und hoffentlich kommen alle mit. Und dann sind wir plötzlich durchs Nadelöhr durch.....

 

Die Taschen sind aufgegeben und wir fliegen nach Köln....das konnten wir uns nicht aussuchen......die Leute werden so mitgenommen wie sie beim Check In dran kommen. Der erste Flieger ging nach Frankfurt....ich habe Glück mit Köln....

 

Es dauert noch sehr lange an der Passport Kontrolle. Einem deutschen Mann in der Schlange hinter mir wird schwindelig....er hat auch schon mal was am Herzen gehabt....er legt sich hin....zum Glück ist eine fortgeschrittene Medizinstudentin unter den Wartenden, die weiß was zu fragen und zu tun ist....ich bin da schnell überfordert, obwohl ich mal Krankenpflege gelernt habe, das ist jedoch 30 Jahre her.

 

Es gibt zwei Männer die die Pässe der vielen Menschen kontrollieren, das dauert....der angeforderte Notdienst kommt nicht.....der Mann rappelt sich wieder auf...ich lasse ihn vor und er sitzt dann auch im Flieger direkt vor mir. Bis Köln hält er es noch aus und wird da direkt von Sanitätern ins Krankenhaus gebracht. 

 

 

Als ich im Flugzeug sitze, schlafe ich fast augenblicklich ein. Noch vor dem Anschnallen....das ist sehr ungewöhnlich für mich.

 

Und es ist abends , als ich mich mit meinen Fahrradtaschen durch den elendig langen Kölner Flughafen zum Bahnhof schleppe. Ich bin sehr hungrig. Ich nehme erstmal einen Zug Richtung Köln Hauptbahnhof. 

Im Zug schaue ich auf meine DeutscheBahn App auf dem alten Handy mit der deutschen Simkarte, aber das Akku vom Handy ist bald alle.

 

Ab da fange ich an mir Druck zu machen, ich könnte es nicht mehr nachhause schaffen. Wäre ja eigentlich auch nicht schlimm, habe ja sogar einen Schlafsack dabei. Hätte ich mein Rad dabei, wäre ich mit dem Rad gefahren und hätte gezeltet.

 

Der Kölner Hauptbahnhof ist ruhig und sehr leer, genauso wie die Züge später. Es gibt jedoch einen offenen Backshop. Bevor ich an ein Ticket denken kann, versorge ich mit einem belegten Brötchen.  Ich kann meine Radtaschen dort stehen lassen und laufe dann zum Ticketautomaten.

Ich habe noch 10 Minuten Zeit bis zur Abfahrt und mich überfällt wieder die Zugverpassangst, ich werde nervös und zittrig, dass ich kaum das Geld in den Automatenschlitz bekomme, hetze zum Bäcker zurück und auf das Gleis, um dort festzustellendes der Zug 180 Minuten Verspätung hat. Ich muss über mich und meine merkwürdige Angst lachen.

 

Dann fährt ein andere Zug in meine Richtung , einer der auch schon Verspätung hat.

 

Ich steige ein ... denn viele Züge fahren nach Osnabrück.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Reinhard (Samstag, 25 April 2020 14:14)

    ...danke für Deine offenen Mitteilungen,die einen tiefen Blick freigaben..danke!