Teil 1 Ankunft in Marokko (von einer Reise in die Wüste und dem Besuch einer Berberfamilie)

 

Ich reise mit meiner ältesten Tochter und Ihrem besten Kumpel nach Marokko. 

Ich möchte dort Menschen kennenlernen, mit denen ich nächstes Jahr eine Tour in die Wüste anbieten möchte.

 

Es ist die Familie von Said. Er lebt in der Schweiz und ist dort verheiratet. Seine Schwestern werden nächstes Jahr mit uns in die Wüste gehen, diesmal werden wir zumindest eine, die Zahara zuhause in ihrem Dorf am Rande der Sahara besuchen. Sie lebt dort mit der Mutter. 

Traditionell gehen Frauen in Marokko nicht mit in die Wüste. Es wird somit eine schöne Gelegenheit in der Kultur des Zusammenlebens Einblick bzw. Einfühlung zu bekommen.

 

Wir wollen nun erstmal mit zwei Männern in die Wüste gehen. 

 

Einer von ihnen ist Hami, der Bruder von Said. Er will uns in Marakesch abholen und über die Berge in die Wüste bringen.

 

Wir sitzen im Flieger. Die Rucksäcke sind verstaut und sogar die Ukulele ist noch heile. Die ist ein wenig größer, als die zugelassenen Maße. Obwohl ich schon so oft gepackt und auch minimal gepackt habe, beschäftigt es mich vorher dann doch und treibt mich um ...wir haben bei dieser Reise auch angedacht am Ende ein paar Tage alleine in die Berge zu gehen und haben 2 Zelte, kleine Schlafmatten und sogar einen kleinen Topf zum Kochen mit. Letztendlich bleiben wir bei Zahara im Dorf....weniger ist mehr. 

 

Aber dadurch kam für mich die Herausforderung mit dem Packen zustande, da wir mit Ryanair fliegen und nur Handgepäck mitnehmen. Meine Tochter und der Freund sind an der Stelle sehr locker. Keine Hin- und Herzustände bzgl. des Gepäcks, keine Fragen, kurz und schmerzlos gepackt und los gehts. Sehr cool. 

 

Wir übernachten die erste Nacht in einem Riad in der Altstadt von Marakesch. Ein Taxi bringt uns durch die quirlige Stadt. Die Sonne geht gerade unter. Die Straße vom Flughafen ist noch breit und sauber, viele Motorradfahrer überholen uns. Kleine Lastwagen, einer mit einem Fahrradfahrer im Schlepptau, den er nach ein paar Kilometern anschnauzt....da lässt der Radfahrer los. 

 

Dann passieren wir irgendwann die Stadtmauer. Die Straßen werden kleiner und voller. Essenstände, kleine Türläden, Mechaniker, Schneidereien, Händler auf der Straße am Boden, Eselskarren mit Gemüse und Obst und Motorradfahrer, die hupend durch die Gassen und die vielen Menschen preschen. Ich liebe diese Lebendigkeit auf den Straßen. 

Meine Tochter und ihr Freund staunen und ich hab Tränen in den Augen, wie schön, das mit ihnen teilen zu können.

Irgendwann geht es nur noch im Schritttempo . An einer Straßenecke halten wir und werden von einem jungen Mann vom Riad abgeholt, zum Glück.

Es geht durch verwinkelte Gassen, um mehrere Ecken zu einer unscheinbaren, aber schönen Tür, irgendwo steht Riad Menzeh. 

Wir werden herzlich empfangen und eingewiesen. Es ist ein Haus über mehrere Stockwerke zum Innenhof hin offen. Unten ein offenes Wohnzimmer mit Kamin und Esstische im Innenhof. Unser Zimmer ist einfach und wunderbar mit 3 Betten.

Ganz oben eine Dachterasse, klasse.

 

 

 

 

Als wir auf die Straße kommen, ist es schon fast dunkel. Wir versuchen, den Weg zur belebten Straße zu merken und wählen dann eine die nicht so groß ist, stadtauswärts. Wir genießen die Atmosphäre und schlendern umher.

Mich zieht auch nichts stadteinwärts ins touristische Zentrum, meine Tochter möchte dann irgendwann doch auf den Place de Jemaa el Fna. 

Der Platz ist letztendlich nicht sehr weit weg und je näher wir kommen, desto öfter werden wir angesprochen..."nur schauen" beim Porzelanverkäufer, die beiden schauen und werden auch wieder entlassen.

 

Doch kaum sind wir auf dem Jemaa el-Fna wird meine Tochter von mehreren Frauen belagert, die Henna Tattoos machen.

Sie selbst winkt sehr schnell ab. Ich zögere einen kleinen Moment, da ich denke...meine Tochter hatte doch Interesse an einem Tattoo.

Ihr ist aber sofort klar "nicht von diesen Frauen". 

Schon hab ich ein kleines Buch mit Vorlagen in der Hand. Und ich kann garnicht so schnell schauen, wie eine Frau nach meiner Hand greift, ich will weg ziehen, doch sie setzt die Spritze mit der flüssigen Hennafarbe schon an. 

Ich schau sie entsetzt an und sie meint: "weil ich so nett bin" auf englisch....da meine ich nur zu ihr "dann fragt man vorher"

"Du kannst auch geben, was Du möchtest" 

Ich gebe ihr 10 DH und finde das schon zuviel .....für ein aufgezwungenes Tattoo. Sie meint sie würde sonst 300 DH bekommen. 

 

Danke schön. Eine gute Lektion für mich...wirklich klar zu sein, was ich will und was nicht. Wie durchsetzungsstark diese Frauen sind, warum auch immer. 

 

Ich bin dann klar, auf gar keinen Fall mehr zu geben, auch wenn sie anfängt zu schimpfen...und wir gehen weiter und drehen vom Platz ab.... Und ich muss über meine Markierung lachen...wie eine Brandmarkung : "Dumme Touristin" steht drauf - meine Deutung.

 

Es soll das einzige Erlebnis der Art bleiben. Am Ende unserer Reise übe ich das Handeln...und es fängt sogar an mir Spaß zu machen. 

 

 

In der ersten Gasse nach dem Platz verdichtet sich die Menschenmenge. Alle Leute schieben kräftig..... 

Ein Rollstuhlfahrer ist direkt hinter mir und wird mir unabsichtlich immer wieder in die Fersen geschoben...uh das tut weh....ein Motorradfahrer kommt schiebend von vorne...ich weiß nicht wohin mit der feuchten Henna-Hand und hebe sie nach oben. Die Menschenmenge verdichtet sich immer mehr. Meine Tochter sitzt irgendwann auf dem Vorderrad von dem Motorrad....doch dann ist der Spuk auch wieder vorbei. Aber ein bißchen mulmig war uns doch. 

 

Wir kaufen ein wenig Fladenbrot und lassen den Abend auf der Dachterasse des Riads mit Tee ausklingen und jeder entspannt auf seine Weise: 

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Nachricht von Said. Sein Bruder ist mit dem Auto liegen geblieben und wird nach Marakesch abgeschleppt....aber....

kein Problem....ein Kollege, holt ihn und uns morgen früh aus Marakesch ab........

 

 Fortsetzung folgt.....

 

 

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