5-Ein Anfang….




Als ich losfahre, bin ich ganz ruhig. 

Ich fahre erstmal Richtung Carthage-Fahrradladen, den Weg kenne ich nun ja, ich variiere ein bisschen. 


In dem Wohnviertel oberhalb vom Strand, kommt mir ein Gruppe junger Männer, keine 20 Jahre alt, entgegen. 

Sie schauen mich wach und überrascht an, als ich lache ,bricht es aus einem hervor „Bien, Madame!“

Es ist Sonntag Morgen, die kleine Hauptstraße ist gefüllt mit Menschen, die meisten kleinen Läden haben auf. Cafés sind gut besucht. Die Straße ist eng, die Autos fahren zügig, manch einer hupt und überholt, genauso ein sehr altes Auto, das Dach bepackt, um kurz danach rechts zu parken, ein alter Mann mit wenig Zähnen grinst mich an. 

Ich fahre durch die beiden Binnenseen, habe eine Abfahrt zu früh genommen und komme auf der 2. Straße raus und fahre quasi wieder zurück. In der Mitte der 2 spurigen Straße sind durchgehende Leitplanken. Irgendwann ist sie hochgebogen, doch nicht hoch genug, bei der ersten Möglichkeit, wechsle ich die Richtung. 

Kurz vor den Seen, habe ich jemanden am Straßenrand gefragt, er meint das die Straße P3 eine große Autostraße ist. Er kann nicht glauben, was ich vorhabe. Ich sei verrückt. Wir lachen. 

Ich soll auf jeden Fall die Brücke nehmen, sonst wäre es schwer aus Tunis rauszukommen. 

Die Brücke naht….Fußgänger und Mopeds verboten 🚫 nix von Fahrrädern 😅🙃


Ich fahre hoch und wechsel damit die Richtung und verliere die Orientierung mit dem ganzen Wasser um mich herum. Auf dem Seitenstreifen liegen immer wieder viele Scherben. Ich fahre achtsam und bitte um Schutz. 

Mir kommt ein Moped mit 2 Jungs entgegen und sie grinsen mich an. 


Irgendwann geht eine 2. Schnellstraße ab, oje ….im letzen Moment entscheid ich mich Richtung Süden. Die endet in einem Kreisel und ich schau auf den Kompass. Links sind zwar die Berge, gerade aus ist aber Süden, ich fahre gerade aus und halte an einer Tankstelle. 


5 Männer schauen auf die Karte, einer kann Englisch. 


Zaghouan ist immer der Schnellstraße folgen, das ist doch schon mal was….ich bin in Megrine, also immer noch irgendwie Tunis, die Orte gehen alle ineinander über. 


Ein Mann malt es mir nochmal auf und erklärt es auf Französisch, ein bisschen verstehe ich ihn, wir lachen. 


Mal schauen, ob ich noch eine kleinere Straße finde. 

Zaghouan und Siliana sind auf jeden Fall ausgeschildert. Ich kreuze die Autobahn nach Hammamet. 

Die Mittagssonne knallt. Ich fahre an offenen Straßencafés unter  Bäumen mit Kinderbespaßung vorbei und lass mich im Schatten eines Baumes zum Tee trinken nieder. Der Tee schmeckt herrlich, mit frischer Pfefferminz und viel Zucker. 


Neben mir sind Familien mit kleinen Kindern. 

Ich beobachte sie und mein Fremdsein verschwindet…..ich sitze lange im Schatten der Bäume und schlürfe Tee….das tut gut. 


Die vielen Autos strengen mich doch etwas an. 




Vor den Toren der Stadt riecht es streng, irgendwann hört das auch auf. Der Verkehr wird weniger. 

 

Bei der Polizeikontrolle, will man nur meinen Pass sehen. Warum ich allein bin, fragt mich der Beamte auf Französisch, weil ich es mag, sag ich. Er fragt wo ich wohne (hab ich durch meinen Sprachkurs jetzt verstanden) ich tue so, als wenn ich es nicht verstehe und er lässt mich fahren.


Ich bin südlich von La Mohammedia. Von hier ziehen sich lange große römische Bauwerke, welche das Wasser aus den Bergen nach Tunis transportierten. Die kleine Straße ist mittlerweile versandet und mit Scherben und die größere P3 Straße zieht dran vorbei. Ich biege auf die kleine Straße ab. Im Schatten der Bäume sitzen hier und da kleine Männergruppen. Mir ist ein wenig mulmig, auch weil ich schiebe. Ich versuche so unbefangen wie möglich zu sein. 

Im Schatten des Aquädukts lasse ich mich nieder und esse etwas. 


In der Nähe parkt ein Auto. Ich bin etwas unsicher, ob ich hier bleibe. Die Männer kommen nicht näher….doch dann bemerke ich einen hinter einem Mauerpfeiler, nicht so weit entfernt und sein Motorrad. 


Er wirkt harmlos. Mir gehen die Worte von einem marokkanischen Freund durch den Kopf…“Vorsicht vor Arbeitslosen, trinkenden Männern.“ Männer die ein Auto oder Motorrad fahren, müssten ja Arbeit haben ☺️

Und hier ist keiner betrunken. Es ist alles nur in meinem Kopf. 

 Wir grüßen freundlich und ich fahre bald weiter. 


Als sich die Sonne neigt, fahre ich von der Straße ab, Richtung Berge.

Die Straße wird immer kleiner, endet im Feld mit Reifenspuren. Ich schieb immer weiter….bis ich eine Ziegenherde und einen Hirten sehe. Dahinter liegt ein kleines Haus. Die Wiese ist sehr stachelig. Ich lass mein Rad stehen und gehe zu Fuß näher. Der Hirte ist eine Frau. Sie ruft jemand Jüngeres.

Ich frag ob ich passieren kann um oberhalb zu Zelten…..ja, klar…..ob ich etwas essen möchte. Nein danke.

Ich hole das Rad und fahre vorsichtig durchs Gestrüpp. Hoffentlich bleiben die Räder heile.

Die Oma sitzt an der Wand in der Abendsonne, der Papa lädt mich ein im Haus zu schlafen.

Danke.

Ich bin müde und will erstmal runterfahren.

Ich gehe erst zu Fuß in den Berg und hole dann das Fahrrad.

Es ist so friedlich hier und ich schlafe herrlich.

Auf das nette Angebot komme ich am Morgen zurück.

 

Die Tante macht das Feuer in der Tonne im Schuppen an. In der Tonne hat sie eine Feuerschale. Ruckzuck ist der Frühstücksbrei mit Zucker und Butter gekocht und Kaffee gibt es auch noch.

Die Geschwister kommen und die Mama. Wir sprechen alles ein bisschen. Die Großmutter ist 86 und so witzig. Wir sprechen mit Händen und Füßen. Um zu erklären, von wem welche Kinder fasst sie ihre kleine Brust….die Mama hat die, die und die Kinder gestillt. Alle lachen so herzhaft. 

Sie möchte das ich bleibe und Küsschen gibt es auch noch.

Und dann breche ich auf, ich will ja noch nach Nouill bei Douz.

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